Treffen 17 - 15. April 2026
Die Fotogruppe trifft sich im BTV Stadtforum – und schon beim Ankommen liegt eine gespannte, neugierige Atmosphäre in der Luft. Heute steht etwas Besonderes auf dem Programm: „Zwei Welten – ein Bild“. Und tatsächlich fühlt es sich so an, als würden wir heute zwischen zwei Ebenen der Fotografie hin- und herwechseln.
Above the River and Under the Sky
Gleich zu Beginn tauchen wir ein in die Ausstellung „Above the River and Under the Sky“. Das Besondere: Der Künstler Maciej Markowicz führt uns persönlich durch seine Arbeiten. Er erzählt ruhig, aber mit spürbarer Leidenschaft von seiner Arbeitsweise. Wir hören nicht nur zu – wir beginnen zu sehen, wie er sieht.
Mit seinem Camera-Obscura-Van reist er durch Tirol und Vorarlberg und hält Momente fest, die genau acht Sekunden dauern. Acht Sekunden – und doch scheinen sie eine eigene Zeitdimension zu öffnen. Seine sogenannten „Motiongraphs“, direkt belichtete Farbnegative, zeigen keine klassischen Motive. Stattdessen erleben wir fließende Zustände: Wasser, Licht, Bewegung – alles scheint ineinander überzugehen.
Während wir durch die Ausstellung gehen, wird klar: Hier geht es nicht um das Festhalten eines Ortes. Es geht um das Spüren eines Moments. Landschaft und Mensch erscheinen nicht statisch, sondern im Übergang. Die Technik tritt in den Hintergrund, und genau dadurch entsteht Raum für Emotion. Jede und jeder von uns findet sich auf eigene Weise in diesen Bildern wieder – still, nachdenklich, berührt.
Salto in Präteritum
Um 17:00 Uhr wechseln wir das Thema, aber nicht die Intensität. Unter dem Titel „Salto in Präteritum“ nimmt uns Josef Sieß mit auf eine Reise durch die Zeit. Er berichtet von seinem fast fünfjährigen Projekt „Serie XV – Oberösterreich, Steiermark, Salzkammergut“. Mit großer Sorgfalt hat er 24 historische Glasdias digitalisiert, restauriert und schließlich die ursprünglichen Aufnahmeorte wieder aufgesucht.
Gemeinsam mit Markus Jenewein entstanden neue Fotografien – aus exakt denselben Perspektiven. Alt und Neu stehen sich direkt gegenüber. Während wir die Bilder betrachten, beginnen wir automatisch zu vergleichen: Was hat sich verändert? Was ist geblieben? Die ergänzenden Informationen von Dieter Draxl geben den Orten zusätzliche Tiefe. Geschichte wird sichtbar – und gleichzeitig greifbar.
Hier geht es zu der digitalen Präsentation des Buchprojekts von Josef:
Digitalisieren von Filmnegativen
Christian Jähnl zeigt uns, wie es mit den entwickelten Filmen seines Workshops vor zwei Tagen weitergeht: Im Mittelpunkt steht die Digitalisierung von Negativen. Zu Beginn gibt er einen kompakten Überblick über verschiedene Möglichkeiten.
Der PictoScanner ermöglicht einen einfachen Einstieg: Mit Smartphone und App lassen sich Dias und Negative schnell digitalisieren. Das DigitaLIZA Max Kit bietet mehr Flexibilität und unterstützt verschiedene Formate mit guter Qualität.
Als schnelle Alternative zum Scannen zeigt Christian den Diakopiervorsatz, bei dem Negative direkt mit der Kamera abfotografiert und per Blitz ausgeleuchtet werden.
Anschließend demonstriert er den Ablauf an einem aufgebauten Setup und digitalisiert einige Negative, während wir zusehen und Fragen stellen.
Tirol im Bild
Ein weiterer Programmpunkt widmet sich dem Projekt „Tirol im Bild“. Aktuell arbeiten wir intensiv an interaktiven Übungen für den Bezirk Kufstein sowie an neuen Aufnahmen für die Bezirke Lienz und Reutte. Martin gibt dazu einen Überblick und präsentiert eindrucksvolle Zahlen aus den einzelnen Bezirken.
Nun soll das Projekt gemeinsam mit der Stadt Innsbruck fortgeführt werden. Erste Bilder aus dem Stadtteil Amras geben einen Einblick in die geplante Umsetzung: Bestimmte Gebäude werden dokumentiert, gleichzeitig werden auch charakteristische Besonderheiten und Straßenzüge eines Stadtteils eingefangen. Idealerweise übernimmt jeweils eine Fotografin oder ein Fotograf die Ausarbeitung eines ganzen Stadtteils.
Das Interesse in der Gruppe ist groß – für einige Stadtteile finden sich bereits Engagierte. Darüber hinaus sind abgeschlossene Fotostrecken gefragt, sowohl zu besonderen Merkmalen einzelner Stadtteile als auch zu Tiroler Gemeinden.
Ansichtssache Garten gestartet
Das Projekt „Ansichtssache Garten“ ist gestartet und nimmt Fahrt auf: Zehn Fotograf:innen haben erste Arbeiten auf die digitale Plattform Padlet hochgeladen. Werner stellt eine Auswahl vor und einige der Anwesenden erläutern ihre Ideen, Herangehensweisen und geplanten Entwicklungen.
Schnell wird deutlich, dass sich die anfängliche Befürchtung, es könnte vor allem bei klassischen Blumenmotiven bleiben, nicht bestätigt. Im Gegenteil: Das Projekt eröffnet eine überraschende Vielfalt an Zugängen. Zu sehen sind etwa Drohnenaufnahmen von Gärten in Kreisverkehren, experimentelle analoge Doppelbelichtungen, Langzeitbelichtungen mit der Lochkamera, die den Lauf der Sonne sichtbar machen, sowie Cyanotypien mit ihrem ganz eigenen ästhetischen Reiz.
Neben den gestalterischen Experimenten treten auch inhaltlich überzeugende Positionen hervor. Der Garten erscheint als vielschichtiges Thema – ein Raum zwischen Wachsen und Vergehen, zwischen Natur und Inszenierung, zwischen Licht und Schatten. Es wird spürbar, welch großes Potenzial in diesem Jahresthema liegt.




