Rosi Gmachl-Mariacher - Übergänge - Wo Tirol beginnt
Wo beginnt Tirol? Diese scheinbar einfache Frage ist weniger eindeutig, als sie zunächst wirkt. Oft erschließt sich aus den Bildern dieser Ausstellung nicht auf den ersten Blick, dass sie Grenzräume zeigen. Manche Motive wirken unscheinbar und alltäglich, andere abstrakt und rätselhaft. Und doch markieren sie alle Orte des Übergangs – Punkte, an denen Tirol betreten oder verlassen wird.
Ausgangspunkt dieses Projekts ist ein Text von Hans Weigel, der Tirol als ein Land beschreibt, das nur über das Gebirge zugänglich sei. Diese Aussage gab den Anstoß, genauer hinzusehen: Wie, wo und auf welchen Wegen gelangt man tatsächlich nach Tirol?
Entstanden ist eine fotografische Annäherung an alle befahrbaren Übergänge nach Tirol. Überraschend viele sind es: 42 Straßen führen aus den Nachbarstaaten Italien, Deutschland und der Schweiz sowie aus den Bundesländern Vorarlberg, Salzburg und Kärnten nach Tirol – und ebenso wieder hinaus.
Unsere gegenwärtige Grenzziehung und Markierung stammt aus den letzten drei Jahrhunderten, davor gab es eher naturgegebene Grenzen, die durch Gebirge, Täler und große Flüsse vorgegeben waren und mehr ein ganzes Gebiet als eine genaue Trennlinie umfassten. Kriegerische Auseinandersetzungen, Gebietstausch und die Kleinteiligkeit von Grafschaften, Fürsten- und Herzogtümern führten immer wieder zu Verschiebungen. Den letzten großen Einschnitt brachte der Erste Weltkrieg mit sich, wo eine neue Grenzlinie zu Italien entstand.
Jeder der heute bestehenden Übergänge hat seine Besonderheit: Mal liegen sie im hochalpinen Gelände, mal eher versteckt im Wald, mal sind viele Grenzmarkierungen zu finden, mal muss man sie beinahe suchen. Aber eines ist gewiss: den großen Grenzstein aus Granit mit dem eingearbeiteten Adler und dem Schriftzug Tirol, den findet man immer. Außer in Ammerwald, wenn man von Bayern aus zum Plansee fährt … dort fehlt er!










