Treffen 18 - 18. Juni 2026

Juni-Treffpunkt unserer Fotogruppe ist wie schon in den vergangenen Jahren wieder der Grillhof.

Immer nah am Geschehen

Vortrag Thomas Böhm
Pressefotograf Thomas Böhm

Die beiden Kameras hängen griffbereit über seinen Schultern, jede mit einem anderen Objektiv bestückt. Ein kurzer Handgriff genügt, und schon ist die passende Brennweite zur Stelle. „Man muss für alles vorbereitet sein“, erklärt Thomas Böhm und blickt in die Runde. Auf der Leinwand erscheint das nächste Bild: Er liegt bäuchlings am Boden, die Kamera knapp über dem Asphalt. Wenige Sekunden später sehen wir ihn bis zur Brust im Wasser stehen. Lachen geht durch den Raum. Schnell wird klar: Für ein gutes Foto nimmt er einiges in Kauf.

Mit sichtbarer Begeisterung erzählt der langjährige Pressefotograf aus seinem Berufsleben. Seit den frühen 1970er-Jahren begleitet ihn die Fotografie. Nach seiner Ausbildung zum Repro-Fotografen führte ihn sein Weg zunächst ins grafische Gewerbe, bevor er 1991 zur Tiroler Tageszeitung wechselte. Dort war er als Bezirksredakteur in Landeck und Telfs tätig, ehe er ab 2002 das Fotoressort in Innsbruck leitete. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2026 prägte er über Jahrzehnte hinweg die Bildsprache der Tiroler Tageszeitung.

Doch an diesem Nachmittag geht es nicht nur um technische Ausrüstung oder berufliche Stationen. Es geht um Bilder, die Geschichten erzählen. Bilder, die im Bruchteil einer Sekunde verständlich machen, was geschehen ist.

Anhand zahlreicher Beispiele zeigt Thomas Böhm, worauf es dabei ankommt. Ein Pressefoto müsse den Betrachter sofort abholen. Die Geschichte dahinter soll ohne lange Erklärung erkennbar werden. Besonders eindrucksvoll gelingt ihm dies bei gezeigten Aufnahmen einer Demonstration am Brenner. Durch die Wahl des richtigen Standorts bringt er sowohl die Demonstrierenden als auch die Polizei ins Bild. Vordergrund und Hintergrund greifen ineinander, die Spannung der Situation wird unmittelbar spürbar. Man fühlt sich beinahe selbst mitten im Geschehen. Immer wieder betont er dabei die Bedeutung des Weglassens. Alles Überflüssige muss aus dem Bild verschwinden – nicht durch Retusche, sondern bereits beim Fotografieren. Das nachträgliche Entfernen störender Elemente sei für einen Pressefotografen ein absolutes No-Go.

Zwischendurch gewährt er Einblicke in seinen Berufsalltag. Viele Termine lassen sich planen, doch oft kommt alles anders als gedacht. Ein unerwartetes Ereignis, eine kurzfristige Meldung oder eine sich plötzlich verändernde Situation verlangen Flexibilität. Genau darin liege auch der besondere Reiz des Berufs.

Im dritten Teil seines Vortrags wird es dunkler auf der Leinwand. Scheinwerfer schneiden helle Lichtkegel durch den Raum, Musikerinnen und Musiker tauchen aus dem Bühnennebel auf. Die Bühnenfotografie ist seine große Leidenschaft. Mit sichtbarer Freude präsentiert Thomas Böhm Konzertaufnahmen, die weit mehr zeigen als nur einen Auftritt. Konzentrierte Blicke treffen das Publikum, melancholische Momente der Ruhe haben genauso Platz wie ein erhobener Arm, der die Energie des gesamten Saals einzufangen scheint.

Auch hier entscheidet oft der Standort über das Bild. Gerade bei Konzerten sind die Bewegungsmöglichkeiten meist stark eingeschränkt. Hinzu kommen Hindernisse wie Mikrofone, die den Blick auf das Gesicht verdecken. Thomas Böhm achtet deshalb bewusst darauf, mit welchem Blickwinkel er arbeitet und ob direkter Blickkontakt zwischen Künstler und Kamera entsteht oder eben nicht. Fotografiert wird ausschließlich mit vorhandenem Licht. Die Lichtstimmung der Bühne, die Farben der Show und die Atmosphäre des Konzerts werden so zu einem festen Bestandteil seiner Porträts.

 

Der Garten als kreativer Bildraum

Cyanotypie von Rosi Gmachl-Mariacher
Cyanotypie von Rosi Gmachl-Mariacher

Nach diesem eindrucksvollen Vortrag richtet sich der Blick auf das laufende Gemeinschaftsprojekt „Ansichtssache Garten“. Das Projekt hat inzwischen deutlich an Fahrt aufgenommen. Bereits 13 Fotograf:innen haben Arbeiten auf der digitalen Pinnwand eingereicht. Klassische Blumenmotive bleiben die Ausnahme, stattdessen zeigt sich eine große Vielfalt an Interpretationen. Mal stehen Strukturen und Formen im Mittelpunkt, mal persönliche Geschichten oder außergewöhnliche Techniken.

Aus Zeitgründen können die Projekte der anwesenden Fotograf:innen nur kurz angesprochen werden. Dennoch entsteht ein lebendiger Eindruck davon, wie unterschiedlich das Thema bearbeitet wird. Mit Spannung wird bereits auf den Termin zur gemeinsamen Bildauswahl im September verwiesen.

 

Ein Jahr „Tirol“ in Bildern

Eröffnung Tirol im Bild #4

Den Abschluss des Treffens bildet die Eröffnung der vierten Ausgabe von „Tirol im Bild“. Nach den Grußworten von Franz Jenewein gibt Ben Raneburger einen Überblick über den aktuellen Stand des Projekts. 

Anschließend richtet sich die Aufmerksamkeit auf die aktuelle Ausstellung. Gezeigt werden Fotografien, die im vergangenen Jahr entstanden sind und nach inhaltlichen sowie formalen Gesichtspunkten zusammengestellt wurden. Während die Besucherinnen und Besucher langsam durch die Ausstellung gehen, bleiben sie immer wieder vor einzelnen Bildern stehen. Gespräche entstehen, Eindrücke werden ausgetauscht, neue Details entdeckt. 

So endet ein abwechslungsreiches Fototreffen, das nicht nur Einblicke in unterschiedliche fotografische Arbeitsweisen bot, sondern eines wieder deutlich machte: Starke Fotografien sprechen nicht nur die Augen an, sondern auch das Gefühl.

Fotografien aus Tirol im Bild #4