Rosi Schießl
Landesverdienstmedaille 2004
für Verdienste um das Trachtenwesen als Regionalredakteurin der Verbandszeitschrift „Der Trachtler“
Kitzbühel, 25. Mai 2005
Fotografie: Maria Schott
Interview: Rudolf Widmoser
Ausgezeichnet mit der Landesverdienstmedaille 2004 für Verdienste um das Trachtenwesen als Regionalredakteurin der Verbandszeitschrift „Der Trachtler“
Ich bin am 26. März 1954 um halb acht in der Früh in Kirchberg auf die Welt gekommen und zwar beim Stöckl-Bauern im ersten Stock. Da schau ich heute noch oft hinauf zu dem Fenster. Und dann habe ich eine wunderschöne und freie Kindheit gehabt. … Meine Eltern sind Bauern, meine Großeltern waren auch Bauern, beiderseits.
… Ich bin am Freitag mit der Schule fertig geworden und bin am Montag den ersten Tag arbeiten gegangen … hab Damenscheiderin gelernt, Damenkleidermacherin hat sich das damals noch genannt, ganz geschwollen. Nach der Gesellenprüfung bin ich noch zweieinhalb Jahre dort geblieben.
… Der Großvater ist beim Trachtenverein gewesen. Und irgendwann hat er gesagt, ja Dirndl, willst du nicht auch dazu gehen? Ich hab gesagt: Nein zu diesen Alten? Nein, das kommt nicht in Frage. … Ja und dann haben wir eine Volkstanzgruppe gegründet in Kirchberg, auch alles Mitglieder von der Landjugend. Und dadurch sind wir zum Trachtenverein gekommen.
… 1976 bin ich in den Ausschuss vom Trachtenverein hinein gewählt worden. Das war damals ein Riesenproblem, als Frau, bei all den gestandenen Mandern, alles alte Mander. Aber meine Freundin, die Gertrud, war dann auch dabei. Und wir haben schon dagegen gehalten. Zum Stadsein sind wir ja nicht gewählt worden, haben wir gesagt. Und da hat es schon mancherlei Kämpfe gegeben am Anfang. Aber auf der anderen Seite haben sie gemerkt, aha, die Weiberleut sind recht takt zum Arbeiten, die könnten wir für mehr Sachen hernehmen. Und dann ist irgendwann der Unterländer-Verbandsobmann aufmerksam geworden. … Und da haben sie zwei Fliegen auf einen Schlag gemacht. Sie haben gesagt, die Weiberleut könnten wir brauchen für Schriftführung und so Zeugelwerk und Auto hat sie auch noch (Anm.: um zu den Verbandssitzungen zu fahren). Und so bin ich in den Ausschuss hinein gekommen. Und wie hat der Obmann gesagt: als zweiter Schriftführer einmal zuerst und nebenbei ein bissel für die Trachtenzeitung schreiben. Nun ja, dann bin ich eine Sitzung gewesen und hab gewusst, was es geschlagen hat. Die Trachtenzeitung ist das Wichtigere, den der zweite Schriftführer hat nichts zu tun.
…Die ersten Berichte – Frühjahrstagung – zuerst bin ich mit der Kassette auf dem Weg gewesen, Wort für Wort – das wären 6 Schreibmaschinseiten gewesen – nein so geht das nicht. Jetzt musste ich Kürzen anfangen – ich weiß auch nicht, wie ich das gemacht habe. Es ist einfach gegangen. … So bin ich zu der ganzen Schreiberei gekommen und es ist halt immer mehr geworden.
… Die Zeitung kommt 4 mal im Jahr und hat meistens einen Umfang von 28 – 32 Seiten und ist für ganz Tirol. … Es wird über die Vereine, über die Verbandsarbeit und über die Landesverbandsarbeit geschrieben. …
(Anm.: zur Verleihung der Landesverdienstmedaille) … Das ist ein bisschen gar viel Ehr. Weil alles was man tut, das tut man gern. Man ist da mitten drin und empfindet das sicher nicht als so wichtig und so würdigenswert. … Und wie der Landeshauptmann gesagt hat: Besonders für den „Trachtler“ – ich kann das Gefühl gar nicht beschreiben, aber ein bisschen gewachsen bin ich schon.
