Rosa Fischnaller-Untergruber
Landesverdienstmedaille 2004
für Verdienste um das Bibliothekswesen
Obervintl, Mai 2005
Fotografie: Monika Leitner
Interview: Fritz Pichler
Ausgezeichnet mit der Landesverdienstmedaille 2004 für Verdienste um das Bibliothekswesen
Ich bin aus einer Familie heraus von 10 Kindern. Meine Mutter war Hausfrau und mein Vater war Holzarbeiter. Wohnortswechsel hat es nie einen gegeben. Wir haben in Mühlbach drüben ein kleines Haus, das die Mutter geerbt hat. Dort haben wir gewohnt.
Ich bin die Älteste. Die Jugendjahre waren nicht so gut. Ich bin 1940 geboren – da wissen sie eh, dass das nicht so rosig war, bei 10 Kindern. Ich hab die Volksschule und einen Teil von der Mittelschule … gemacht, aber dann hat das Geld gefehlt weiterzumachen … dann bin ich eigentlich immer draußen gewesen zum Arbeiten. Viel arbeiten hab ich müssen. Sobald ich geheiratet habe, hat es einen Wohnungswechsel gegeben. Ich bin nach Cremona. Dort hat mein Mann gearbeitet bei einer Firma … Platzmeister war er, hat halt den Betrieb über gehabt.
Ich wäre eigentlich gerne Krankenpflegerin geworden. Und das ist aber finanziell nicht gegangen, weil damals hätte man müssen nach Meran. Und das hat mich lang, lang ein bissl gestört, dass ich das hab nicht tun können.
Ich hab schon mit 8, 9 Jahren zweimal die Woche um 4 Uhr in der Früh aufstehen müssen. Da war zu waschen für die Kinder, alles mit der Hand. Danach war Schule zu gehen. In dieser Zeit war alles fertig zu haben, weil die Mutter hat ein Gemüsegeschäft gehabt, daheim. Und das Gemüsegeschäft hat müssen um 8 Uhr aufgehen. Und da hat sie dann nicht mehr Zeit gehabt. Und ich hab müssen zuerst das Haus aufräumen. Das war eigentlich die Arbeit immer. Und wenn etwas Außertourliches gekommen ist, dann ist sie hinauf zur Schule – das hat mich auch immer furchtbar gemacht – sie hat geklopft an der Tür: „Die Rosa brauche ich. Sie muss jetzt kochen gehen, weil ich habe Leute im Geschäft..“ Dann war heimzugehen – die Lehrerin hat es schon immer gewusst.. Sie hat es schon gewusst, sobald es draußen geklopft hat, das muss die Frau Fischnaller sein (Anm.: lacht).
… Eigentlich ist man dann froh gewesen, wenn man heiraten hat können. Dann ist man selbständig gewesen und man hat nicht mehr müssen immer in der Früh aufstehen und bis 10 Uhr auf Nacht arbeiten, wie es damals oft war, ohne gemeldet gewesen zu sein. Sobald ich in die Bibliothek gegangen bin, habe ich angefangen Kurse zu machen. … Das hat so angefangen. Da ist der Herr Pfarrer gekommen und hat gefragt: „Möchtest du nicht die Bibliothek führen?“ Gelesen habe ich schon immer gern. Und da habe ich mir gedacht, ich probier es einmal. … Der Pfarrer hat gesagt: du bist selbständig, magst grad arbeiten, wie es dir Hauptsache ist. Und ich hab grad geschaut: viele, viele Bücher , immer mehr und immer mehr. Und ich bin da immer mehr hineingekommen.
… Für mich hat diese ehrenamtliche Tätigkeit einen ganz großen Stellenwert. Das Wichtigste war für mich, die Leute zufrieden zu stellen. Ich habe es immer gerne gemacht und meine Mitarbeiter für die Bevölkerung von Obervintl. … Eine Bibliothek ist unverzichtbar für eine Dorfgemeinschaft. … Sie ist ein großer Treffpunkt.
