Paula Gutwenger

Landesverdienstmedaille 2004
für Verdienste um die Landwirtschaft als langjährige Ortsbäuerin

Innervillgraten, 8. Juni 2005

Fotografie: Maria Schott
Interview: Margit Santer

Maria Schott - Landesfotodokumentation 2005

Ausgezeichnet mit der Landesverdienstmedaille 2004 für Verdienste um die Landwirtschaft als langjährige Ortsbäuerin

Ich bin die Gutwenger Paula. Geboren in einem Gasthaus. Meine Eltern haben damals ein Gasthaus gepachtet gehabt. Bis zu meinem 11. Lebensjahr war ich dort. Dann hat der Vater Haus gebaut und hat Försterkurs gemacht. Wir sind in das neue Haus gekommen und ich bin Volksschule gegangen und Landwirtschaftsschule, 1962-63. … und dann war ich noch auf verschiedenen Posten, Haushalt bin ich gewesen, 2 Jahre in Seefeld bin ich gewesen … und viel da im Gasthaus, wo ich geboren bin, wo dann ein anderer Pächter darauf war, da habe ich viel gearbeitet….Vorm Heiraten war ich noch 2 Jahre im Geschäft als Verkäuferin. Und 1972 habe ich geheiratet auf den Hof her. Wir selber haben keinen Bauernhof gehabt, bin nicht von einem bäuerlichen Betrieb. Alles habe ich erst gelernt. Hab einen Witwer geheiratet mit 6 Kindern. Und selber habe ich auch noch 2 „Gitschen“ bekommen. Dann hat die Mutter vom Mann einen Schlaganfall bekommen. Ich habe sie 3 Jahre gepflegt – im Rollstuhl. Und der Mann war Busfahrer – war auch nicht viel da, das Wochenende sowieso nie. Und dabei war ich Ortsbäuerin. Das ist mir nett gewesen. Zwar anstrengend oft einmal, aber wenn alle in der Familie mithelfen, dann geht es. Sonst müsste man das lassen.

30 Jahre bin ich (Anm.: Ortsbäuerin) gewesen und 6 Jahre Stellvertreterin. … Auch im sozialen Arbeitskeis – ich hab immer gerne mit Leuten gearbeitet, Gemeinschaft war mir immer das Netteste.

Mein Vater hat immer gewollt, dass wir (Anm.: Kinder) alle daheim bleiben. Meine Lehrerin damals von der landwirtschaftlichen Fachschule wollte, dass ich nach Kematen gehe (Anm.: Höhere Bundeslehranstalt für landwirtschaftliche Frauenberufe). … Früher hat man noch gefolgt, heute ist alles anders (Anm.: lacht).

… Ich wollte immer Kinderdorfmutter werden. Das war eigentlich fix. Beim Heiraten habe ich mir gedacht, ich kann das nicht, ich hab ja versprochen Kinderdorfmutter zu werden. … Ich weiß nicht wer das dann einmal gesagt hat, das Kinderdorf hast du eh da. Hobby haben wir seit der Mann in Pension gegangen ist - den Kräuteracker. Da sind wir viel miteinander Kurse gegangen. Teekräuter machen wir, wohl zum Verkauf auch – im Bauernladen in Silian und privat. … Wie der Mann in Pension gegangen ist, hab ich mir gedacht, er braucht eine Beschäftigung. Er tut gern mit Blumen, er tut gerne im Garten arbeiten. … Es tut eh viel der Mann. Sonst alleine würde ich nicht fertig werden. Wir (Anm.: die Ortsbäuerinnen), unser Team, haben jedes Jahr einen Gemeinschaftsabend gemacht. … Und das ist uns gelungen. Das haben wir ein paar Jahre durchgezogen – nett - mit Vorträgen von der Bezirksbäuerin, mit Singen und mit Jausnen – nett gewesen, ist immer gut angekommen. … der ganze Saal voller Leute. Bei uns sind hundert bäuerliche Betriebe und hundert Leut sind gekommen.

… Wenn man nicht ehrenamtlich was macht, dann bleibt viel außen im Dorf. Nein, wenn man alles zahlen muss, dann ist keine Dorfgemeinschaft möglich. … Ja in einem Team geht das, alleine kann man das nicht alles machen.