Martha Dorfer
Landesverdienstmedaille 2004
für Verdienste um die ehrenamtliche Schulungstätigkeit am Bezirkskrankenhaus Kufstein und die Betreuung pflegebedürftiger Menschen
Kufstein, 4. Juni 2005
Fotografie: Christine Bitsche
Interview: Josef Sieß
Ausgezeichnet mit der Landesverdienstmedaille 2004 für Verdienste um die ehrenamtliche Schulungstätigkeit am Bezirkskrankenhaus Kufstein und die Betreuung pflegebedürftiger Menschen
Der Vater war Kufsteiner, Altkufsteiner eigentlich, Gutsbesitzer, war einer von den Reicheren in Kufstein und die Mutter ist aus dem Rheinland gekommen, aus der Eifel, ganz in der Nähe vom Nürburgring. Sie ist erstmals durch den Krieg hereingekommen, hat da meinen Vater, der Witwer war mit 7 Kindern, kennen gelernt und ist dann da geblieben. … Mein Vater war zuerst Zimmermann, hat auch eine Säge gehabt, die ist aber vor der Inflation alles verkauft worden und da hat er sich um einen Beruf schauen müssen und so ist er Stadtförster geworden. Er ist 35 Jahre bei der Stadtförsterei gewesen und hat bis 74 Jahren gearbeitet.
… Ich muss sagen, meine Kindheit ist schön gewesen, weil der Vater immer da war. … Die Mutter, das war ein bissel schwierig … die Mutter hat immer Heimweh gehabt und ist dann oft heimgefahren. Der Vater war immer für uns da, obwohl er ein alter Mann war. Er war 35 Jahre älter als die Mama. … Und dann ist es so gekommen: der Vater war dann bettlägerig. Er hat von Tag auf Tag Lungenentzündung gekriegt und wir haben ihn gepflegt. … Und er hat dazumal auch so Einlagen gehabt, und dann haben wir das Kacherl austragen müssen und so. Und das habe ich immer mögen. - Mein Onkel hat zwar gesagt, das ist ein grausiger Beruf und da hast du viel mit die Speiberer zu tun - aber das war mir wurst, ich hab gesagt, ich werde Krankenschwester. Da war ich 7 Jahre alt.
… Wie gesagt, das waren alles Tätigkeiten - ich habe das alles gern getan, muss ich eigentlich sagen – wo die Leute zu einem kommen. Zuerst trauen sie sich nicht und sagen: Wollen sie das schon? Wissen Sie, das muss ich Ihnen schon gleich sagen, bei mir daheim schaut es aber so aus. Da hab ich gesagt: Ja, ich geh jetzt nicht zu Ihnen heim, weil ich da was anschaue. Entweder kann ich Ihnen da was helfen, dann sagen Sie es. – Und so geht das. Und das haben wir im Pfarrgemeinderat in der Wohnviertelarbeit - ich hab da eine nette Kollegin gehabt … aber wirklich gut machen können. … Und das ist immer gegangen, aber nur mit der Hilfe und der Unterstützung meines Mannes, der sehr tolerant war, der mit den Kindern dann das gemacht hat, der mich auch zu diesen Orten geführt hat, weil ich keinen Führerschein habe. … Und das ist gegangen. … Nur selber darf man nicht so anspruchsvoll sein. … Ich habe nie Urlaub gemacht. Aber das ist mir nie abgegangen.
