Marlies Plaikner-Gufler
Landesverdienstmedaille 2004
für vorbildliches Wirken in der Dorfgemeinschaft
Mühlen in Taufers, Mai 2005
Fotografie: Monika Leitner
Interview: Fritz Pichler
Ausgezeichnet mit der Landsverdienstmedaille 2004 für vorbildliches Wirken in der Dorfgemeinschaft
Mein Name ist Plaikner Marlies, verheiratete Gufler. Meine Großeltern waren Bauern … die Mama … war Bauernstochter, der Datta war Maurer. … Mein Berufsziel war eigentlich immer Zahnarztassistentin. … Ich hab auch einmal als Verkäuferin angefangen, und auch im Gastgewerbe habe ich gearbeitet.
Aber mit 17 war ich eben schwanger mit der Tanja. Und sie war von klein auf schwerstbehindert. Da sind zuerst einmal alle meine Vorstellungen vom Leben den Bach hinunter gegangen. …
Hauptsächlich, denke ich mir, habe ich die Landesverdienstmedaille bekommen, weil ich ein bissel Pionierarbeit geleistet habe fürs ganze Tal. Heute melden die Mamis die Kinder in der Schule an – ist kein Problem. Ich hab um das alles kämpfen müssen. Das ist vor zwanzig Jahren gewesen. Und wie es damals war, wurden die schwer behinderten Kinder in ein Heim gegeben oder versteckt – ja nicht an die Öffentlichkeit. Und das ist mir von Anfang an gegen den Strich gegangen. Mir kommt vor: ich muss nicht die Leute vor der Tanja schützen. Wenn ich jemanden schützen muss, dann sie vor einem gesunden … das streitet. Die Tanja tut niemanden was. Wieso soll sie nicht auch in einen Kindergarten gehen? Jedes Kind hat das Recht auf eine Ausbildung.
Und ich habe gesehen, der Tanja tut es närrisch gut und in die Gesunden vielleicht noch besser. Das ist eigentlich mein Kampf gewesen. Und das war ein hässlicher Kampf, weil die Leute da hinten sind. Das ist nicht eine Stadt, das ist am Land. Ich habe mich wirklich gefühlt, als junge Mama, ganz allein auf der Welt mit einem behinderten Kind.
… Ich denke mir, es ist wahnsinnig wichtig, den Leuten zu zeigen – hallo, es gibt solche Kinder und die getraut sich heraus. Das ist eine junge Mama, eine moderne Mama und hat auch so ein Kind. Und das war hier der Fall. Da hat man nie ein behindertes Kind gesehen auf der Straße, nie, nirgends in einer Schule. Wir haben nicht gewusst, dass es die auch gibt. … Warum soll man die verstecken, diese Kinder?
Das ist eigentlich mein Ziel gewesen für die Tanja.
