Hermine Auer
Landesverdienstmedaille 2004
für Verdienste um eine gelebte Nachbarschaftshilfe und um die Aktion „Tirol hilft Kindern aus Tschernobyl“
Roppen, 20. Mai 2005
Fotografie: Melitta Abber
Interview: Josef Sieß
Ausgezeichnet mit der Landesverdienstmedaille 2004 für Verdienste um eine gelebte Nachbarschaftshilfe und um die Aktion „Tirol hilft Kindern aus Tschernobyl“
Wenn ich so ab und zu nachdenke, wem kann ich das verdanken, dass ich das alles hab machen können und auch zustande gebracht habe, dann ist es eigentlich schon in erster Linie der Mann, der mich da immer unterstützt hat. Er hat nie kritisiert, er war immer einverstanden und hat auch immer geholfen, wo es nötig war.
Mir sagt man eigentlich nach, dass ich jemand bin, dem man nicht gern was abschlägt. Das ist vielleicht mein einziges Plus. Ich kann wirklich heute fragen und kriege von 100 fragen vielleicht 2 mal ein Nein. Ganz wurst, wie die Probleme auch sind. .. Weiß nicht, vielleicht bin ich ein angenehmer Mensch? Das weiß ich nicht. Aber wenn´s darum geht, dass man hilft, dass man was zustande bringt, dann tue ich mich sehr, sehr leicht. … Also das Kleine ist mir dann schon so selbstverständlich, dass es mir gar nicht mehr auffällt.
Man hat nicht gewusst, wie meine Krankheit ausgeht – es ist mir aber gut gegangen … und der Herrgott hat mir 65 Jahre gegeben, die Ärzte maximal 40. Ich muss sagen, wenn ich heute die Augen zutun müsste, dann hätte ich überhaupt kein Problem. Also das ist auch ein Ergebnis dieser vielen, vielen Jahre.
… Der Hauptkern sind 5 bis 6 Frauen, die mehr oder weniger im Stillen arbeiten, schon seit über 20 Jahren. Und so ab und zu preschen wir vor und machen etwas Größeres. Das hat sich daraus ergeben: ich hab auf der Gemeinde stundenweise die Buchhaltung gemacht, aus finanziellen Gründen, muss ich ehrlich sagen, ich hab ja 4 Kinder. Wir haben eigentlich immer doppelt gearbeitet, der Mann doppelt und ich doppelt. Ich habe 15 Jahre Heimarbeit gemacht, … Tag und Nacht genäht, oft nur 4, 5 Stunden geschlafen. Und aus dem Grund heraus habe ich immer aus Dankbarkeit irgendetwas für jemanden getan oder gegeben. Also ich habe das nie als selbstverständlich angeschaut, sondern mit dem Biss´l, was ich oft dann gehabt hab, hat man irgendjemand dann geholfen, der noch weniger gehabt hat. Das muss ich jetzt auch noch sagen: nur in einer Linie bin ich eine Rebellin – wenn es um die Frauen geht. … Ich bin keine Emmanze, das würde ich nicht als Kompliment empfinden. Aber ich habe immer geschaut, dass die Frauen etwas haben, wo sie sich freuen, wo es ihnen besser geht. Ich hab da teilweise auch Leute von der Kammer (Anm.: Bauernkammer) verärgert, weil ich gesagt hab, die Bäuerinnen sind meines Erachtens diejenigen, die am meisten benachteiligt sind. … Wenn ich mit denen (Anm.: von der Bauernkammer) reden hab können, dann habe ich oft gesagt, irgendwo seid ihr zwar gut organisiert, aber die Frauen vertretet ihr schlecht. … Ich hab dann einen Frauenturnverein gegründet, 1973 – das weiß ich. Das war dermaßen ein Kampf der Gemeinde und des Gemeinderates gegenüber. Wenn ich das jetzt genau schildern würde, täten sie es mir gar nicht glauben….
