Helga Frühwald

Landesverdienstmedaille 2004
für Verdienste als Gründerin des Vereines zur Ausbildung und Vermittlung von Tagesmüttern

Landeck,  3. Juni 2005

Fotografie: Melitta Abber
Interview: Josef Sieß

Melitta Abber - Landesfotodokumentation 2005

Ausgezeichnet mit der Landesverdienstmedaille 2004 für Verdienste als Gründerin des Vereines zur Ausbildung und Vermittlung von Tagesmüttern

Ich bin gebürtig aus Wien. Der Papa war Österreicher und die Mama war Dänin und dadurch haben wir so sprachlich immer ein bisschen eine Außenseiterrolle gespielt, weil wir mit der Mama immer nur Dänisch geredet haben und mit dem Papa nur Deutsch, das war meistens Hochdeutsch und in der Schule war das manchmal ein Problem.

… Ich hab die ersten 20 Jahre meines Lebens immer in der Firma (Anm.: meines Vaters) mitarbeiten müssen. Die Firma (Anm.: eine medizinische Leihanstalt) ist abgebrannt im Krieg und wir haben nach dem Krieg ganz neu angefangen und da waren meine beiden Brüder und ich gefragt. … Und erst nach dieser Aufbauphase habe ich angefangen zu studieren, als Werkstudentin natürlich, nebenbei immer berufstätig. Hab Geschichte und Deutsch studiert und hab in Wien angefangen zu unterrichten, aber das war nix. Man hat in kurzen Ärmeln nicht unterrichten dürfen, Damen durften in langen Hosen nicht unterrichten, Lehrpersonen untereinander mussten sich mit vollem Titel ansprechen – ich hab geglaubt, ich bin am falschen Dampfer und bin bei erster Gelegenheit weg von Wien.

… keine Ahnung gehabt von Landeck, Landeck noch nie gesehen gehabt … und ich muss ehrlich sagen, vom ersten Moment an hab ich mich wohl gefühlt in Landeck. … und so ist s weitergegangen im Konferenzzimmer: grias di, wia geht´s da – ach, das war eine Atmosphäre, im Gegensatz zur Wienerschule – da hat man leben können. Ich hab zuerst geglaubt, naja, ich geh ein paar Jahre nach Landeck und dann schau ich mich wieder um in Welt – ich bin nicht mehr weggekommen von Landeck.

Mein Elternhaus war ÖVP orientiert. Und da in Landeck habe ich den engsten Kontakt, ohne es zu wissen, - habe ich festgestellt – komisch, alle die, die mir besonders liegen sind Sozialisten. Dann sind wir ins Gespräch gekommen und da habe ich gemerkt, ja die meinen eigentlich das Richtige. Und so bin ich zu den Sozialisten gekommen. Und da war ja Not an allem in Landeck und ich hab die Frauengruppe übernommen … und hab dadurch sehr viel Kontakt mit Frauen gehabt. Ich hab festgestellt, die Frauen da im Oberland haben einfach keine Chance. Sobald die ein zwei Kinder gehabt haben, hocken sie am Herd und kommen nicht mehr weg. Es hat keine Berufsmöglichkeiten gegeben da im Oberland, einfach nix! Da hab ich mir gedacht, es muss für die Frauen irgendetwas geschaffen werden. Und so bin ich auf die Idee gekommen – vielleicht die Tagesmütter. Da hat man 2 Fliegen auf einen Schlag, erstens ist den berufstätigen Müttern geholfen, weil die sich in Ruhe ihrer Arbeit widmen können und wissen, die Kinder sind gut versorgt. Und zweitens Frauen, die zuhause ihre eigenen Kinder erziehen, haben die Möglichkeit, ein bisserl was dazu zu verdienen. Ich mein, es ist ja eh fast lächerlich, was diese Tagesmütter verdienen. Aber sie haben doch das Gefühl, sie sind berufstätig, sie sind - nicht dieses schreckliche - „nur Hausfrau“.