Friederike Hafner
Landesverdienstmedaille2004
für Verdienste um die Verwirklichung einer humanen, bürgernahen und bedarfsgerechten Sozialpsychiatrie
Innsbruck, 30. Mai 2005
Fotografie: Christine Bitsche
Interview: Claudia Schiffkorn
Ausgezeichnet mit der Landesverdienstmedaille 2004 für Verdienste um die Verwirklichung einer humanen, bürgernahen und bedarfsgerechten Sozialpsychiatrie
… Meine Mutter und mein Vater waren politisch recht wache Eltern. Die Politik war sozusagen am Tisch Thema, war im Verwandten und Bekanntenkreis Thema, sodass wir als Kinder recht wach erzogen worden sind, auch für die politischen Vorgänge, die um uns herum waren, aber vor allem auch … die geschichtliche Sache des Umzuges (Anm. Auswanderung von Südtirolern während des Faschismus) und des Krieges.
… Und so war es sozusagen ein Lernen anhand der Praxis, dass wir gesehen haben und konfrontiert worden sind mit den Nöten der Zeit, mit den Menschen, die Hilfe bedurft haben und letztendlich Situationen, die hart waren. … Und dieses Lernen am Feld hat, besonders glaub ich mich, dann wohl ein Stück weit in eine Denkweise gebracht, … nicht nur das Zuhause zu haben, mich sozusagen an Gruppen anzuschließen, wo der andere Mensch … eine Hilfebedüftigkeit signalisiert. Ich bin dann recht früh in eine Gruppe hineingegangen, die alte Leute besucht hat … ich bin damals in die Gruppe der katholischen Jugend.
… Ich hab mir nicht nur berufliche Gedanken gemacht … ich habe so ein Stück weit lebensorientiert gedacht und ich habe eine Gemeinschaft kennen gelernt in Vorarlberg, das sind "Die Frauen der Frohbotschaft“ in Batschuns, das ist ein Sekularinstitut … Ich habe dort die Missio Canonica gemacht in Theologie. Das war mir zu wenig, bin dann nach England und hab dort im Austriancenter mitgearbeitet und auch einen Teil in der österreichischen Botschaft. Und bin dann wieder zurück und habe mich dann, in Absprache mit der Gemeinschaft, entschlossen offiziell Pädagogik zu studieren, aber Pädagogik in einem Fach und Sozialpädagogik, Soziologie – so um diesen Bereich. … Ich habe mich in meiner Diplomarbeit in den Bereich der Psychiatrie hineinbegeben und zwar die Sozialpsychiatrie. … Ich war dann in Gütersloh … und habe dann im Rahmen einer Enquete – Kommision, die die deutsche Bundesregierung veranstaltet hat, die 5 Jahre gegangen ist, mitgearbeitet im Bereich Sucht und im Bereich Neurose. … bei dieser Enquete-Kommision habe ich den Prof. Krisbin-Exner kennengelernt … und der hat mich motiviert nicht in Deutschland zu bleiben, sondern nach Österreich zurückzukommen. Und so hab ich mich entschieden, von Gütersloh wegzugehen und zu ihm hier nach Innsbruck an die Universitätsklinik für Psychiatrie zu kommen. … Sozialpsychiatrie war ein weißer Fleck in der Landschaft und da haben wir uns auf den Weg gemacht und haben … aus der Klinik heraus diese Gesellschaft für psychische Gesundheit in Tirol installiert.
… Ich war immer eine Person – das hab ich von zuhause so halt mitbekommen – die ein Stück weit die Freiheit des Menschen, die Selbstentscheidung des Menschen, als ein großes Anliegen gesehen hat.
… Vom Pädagogikstudium … Pädagogik in der Psychiatrie … hab ich erlebt, wie viel Unfreiheit, totale Unfreiheit im psychiatrischen Bereich der psychisch Kranke erlebt und er letztendlich der gestempelte und stigmatisierte Mensch ist. Und das war glaub ich der entscheidende Punkt, wo ich mir dann gesagt habe, ich möchte dort vertieft mitwirken, dass dort der Mensch zu mehr Freiheit kommt, zu mehr Selbstständigkeit kommt, die Stigmatisierung der psychisch Kranken, wenn es aufzuheben ist, aufzuheben, wenn es zu verbessern ist, zu verbessern.
