Doris Enzinger
Landesverdienstmedaille 2004
für Verdienste um die Unterstützung sozial schwacher Familien
Innsbruck, 14. Mai 2005
Fotografie: Christine Bitsche
Interview: Claudia Schiffkorn
Ausgezeichnet mit der Landesverdienstmedaille 2004 für Verdienste um die Unterstützung sozial schwacher Familien
… Gebracht hat mich (Anm.: zur Arbeit in der Frauenbewegung) mein immer schon vorhandenes Interesse am Leben einer Frau und den Problemen die sich daraus ergeben. Das wurde schon geprägt in meiner Kindheit. …
… Frauenbewegung – 10 Jahre – als Ortsleiterin, das war eine lange Zeit, da haben wir einiges gemacht: wir haben einen Telefondienst eingeführt für Hilfesuchende, wir haben Briefkästen eingeführt für Leute mit Problemen, u.s.w. und sind dem nachgegangen. Der Schwerpunkt lag aber eigentlich in der Begleitung dieser vielen Mitglieder, der Frauen, die da waren. Ich treffe sie heute noch und sie sagen, mein Gott Doris, das war eine schöne Zeit. Das ist ihnen zurückgeblieben.
… Alles in allem, irgendwo bin ich dann darauf gekommen, dass man sehr stark an die Grenzen geht, schlägt, und nicht mehr weiterkommt und nicht mehr den Sinn hat, den ich einmal darin gesehen habe. Da hat sich aber inzwischen diese Organisation gebildet „Frauen helfen Frauen“ und da bin ich so langsam hinübergeglitten, indem ich Wochenenddienst gemacht habe, Telefondienst gemacht hab, wenn einmal was war – eine Frau ins Frauenhaus gebracht habe – und hab so dieser Organisation geholfen. Die hat mich dann auch viele Jahre begleitet und da habe ich viel gelernt und für meinen jetzigen Beruf habe da den Grund gelegt. … Da waren tolle Seminare im Haus der Begegnung, 2 Jahre war ein Kursus „Ambulante Familienhilfe“ … das hat mich ungemein bereichert.
… wie ich dann … zurückgekommen bin, habe ich einen mir schon lange zugesagten Job bei der Stadt Innsbruck bekommen, trotz eben schon 50, und hab dann 3 Jahre im Wohnheim Hötting gearbeitet.
… Bei Frauen helfen Frauen hat es dann irgendeine Umstellung gegeben und sie haben jemanden gebraucht fürs Frauenhaus in Innsbruck und da bin ich dann als Leiterin des Frauenhauses angestellt worden und hab damals aber auch schon die ambulante Familienhilfe intensiv gemacht. Das hat mir unglaublich viel gegeben, da war ich mit Leib und Seele dabei. Da die Frauen aufzufangen, wenn sie so ganz im Tief sind … mit Kindern – da hab ich auch heute noch Kontakte.
… dann bin ich seit Mai 1995 jetzt als Selbstständige beim Jugendamt. … Dass ich da noch dabei bin, ist vielfach der Grund, weil sie mich nicht auslassen, weil sie sagen, was tun wir, wenn sie in Pension gehen. Da sag ich, braucht´s keine Angst haben, ich sterb in den Schuhen.
… Im Moment da habe ich eine Frau, die ist an Krebs erkrankt mit 2 Kindern … dann habe ich eine Frau mit 4 Kindern, dann eine Oma mit 3 Kindern, dann eine junge Frau, die jetzt das zweite Kind kriegt und der Kindesvater sitzt - und als besondere Herausforderung habe ich mir jetzt noch eine kurdische Familie genommen, wo ich auch das Gefühl hab, denen muss man helfen und denen kann man helfen.
