Barbara Knapp
Landesverdienstmedaille 2004
für Verdienste um ein unermüdlich soziales Engagement bei der Errichtung der Teestube für in Not geratene Menschen und um die Frauenbewegung
Schwaz, 6. Juni 2005
Fotografie: Heinz Jörgen Hafele
Interview: Josef Sieß
Ausgezeichnet mit der Landesverdienstmedaille 2004 für Verdienste um ein unermüdlich soziales Engagement bei der Errichtung der Teestube für in Not geratene Menschen und um die Frauenbewegung
Ich bin eine Urschwazerin. … Meine Eltern haben früher ein Lebensmittelgeschäft gehabt. Und das war im Jahre 1964, da hat man überhaupt kein Personal gekriegt, … da hat es einfach geheißen, Madl, du musst ins Geschäft, wir brauchen dich! – Bin ich von der Hauptschule heraus, bin ich in den elterlichen Betrieb und war im elterlichen Betrieb bis ich geheiratet habe. Ich hab nie einen anderen Chef gehabt, wie meine Eltern. … Ich bin sehr geborgen aufgewachsen.
(Anm.: Vizebürgermeisterin), das bin ich einfach geworden. … Ich habe nie darum gekämpft, ich wollte nie was werden, es hat sich mein Leben einfach so gerichtet, es ist mir so bestimmt gewesen. Ich hab gesagt, lieber Gott, wenn du mich das werden lässt, dann hilf mir auch, dass ich das derpacke. Ich hab mit dem nie und nimmer gerechnet. … Es war der 15. Dezember 91, das weiß ich noch gut. Und da waren auch die Geschäftsleute von Schwaz vertreten. Und da hat es geheißen, im nächsten Jahr 92 stehen die nächsten Wahlen an und wir bräuchten eine Frau für den Gemeinderat. Die ÖVP hat noch keine Frau und du wärst die geborene. Und ich, in meiner Überschwänglichkeit – ja selbstverständlich, das geht ja nur mit mir – nur geblödelt. Und aus dem Blödeln ist ernst geworden. Sie sind tatsächlich an mich herangetreten und haben gefragt, ob mir ernst ist. … Und dann sagt der Altbürgermeister … weißt, Arbeit ist nicht viel – einmal im Monat ist Gemeinderat, einmal Club und ein paar Ausschüsse. Und das war es, und du kannst deine Familie weiterversorgen. Damals war die jüngste Tochter 13, - 16, - 19 – alle 3 auseinander. Ja und dann habe ich mit meinen Mann geredet. Und der hat gesagt: „Wenn es dir Spaß macht?“ Ich war damals 43. Und ich hab gesagt, reizen täte es mich schon wieder einmal aus dem Hausfrauendasein herauszukommen und etwas für Schwaz zu tun.
… und dann ist unser Vizebürgermeister frühzeitig ausgeschieden und dann haben sie beschlossen, ich soll das machen. Ich bin so erschrocken. Und das erste was ich sage: Nein, das kann ich nicht! Ich trau mir einfach weniger zu als ich vielleicht kann. … Ich stell mich immer unterm Scheffel, weil ich einfach gesagt hab, ich habe nichts studiert, ich habe keine Matura, ich bin ganz was Normales. Ich hab wohl arbeiten gelernt. Ich hab den Umgang mit Menschen gelernt. Ich habe das Herz auf der richtigen Seite, das weiß ich auch. Aber ich habe keinen Titel, keine Frau Magister, kein gar nichts. – Ja, das macht nichts, und du musst das werden. Und dann bin ich mit 20 Stimmen von 21 gewählt worden. Und das hat mir dann schon einen Auftrieb gegeben. Und ich hab mir gedacht, wenn sie wirklich alle so wollen, dann werde ich mich bemühen, das Beste zu geben.
(Anm.: Projekt Teestube) … da habe ich gekämpft, wie eine Löwin um ihre Kinder. … Weil ich gesehen habe, das ist ganz notwendig. Wir dürfen in Schwaz keine Obdachlosen haben und keine, die am Rande der Gesellschaft stehen. Die wissen oft nicht wohin, haben Angst vor Behörden, haben Angst vor Amtswegen. Und so habe ich im Sozialausschuss gesagt, da machen wir was. Da hat sich ein Unterausschuss gebildet … alle 3 eine andere Fraktion, aber da waren wir eine Einheit. Also wir haben das nie politisch ausgeschlachtet. Es hat keiner gesagt, ich war das oder ich. Wir waren da eine ganz starke Einheit. Und ich muss sagen, in meiner Fraktion habe ich mich am härtesten getan.
